Legasthenie
ist eine Lernstörung, bei der die spezifischen, für das Schreiben und Lesen erforderlichen Wahrnehmungs- und Zuordnungsleistungen nicht oder nur unvollständig erbracht werden. Für das Erlernen der Schrift ist die Bedeutung eines Wortes nicht wichtig. Worte müssen statt dessen auf ihre lautlichen Aspekte hin untersucht werden, d.h. Worte werden in Laute zergliedert, denen dann wiederum das entsprechende Schrift-zeichen zugeordnet wird. Dabei muss eine große Anzahl unterschiedlicher Laute den Buchstaben des deutschen Alphabets zugeordnet werden. Z.B. werden so unterschiedliche Laute wie das lange „e" in „eben" und das kurze „e" in „Elbe" gleich geschrieben. Andererseits müssen ähnlich klingende Laute wie „i" und „ü" akustisch differenziert und verschieden geschrieben werden. Mitlaute werden in Abhängigkeit von ihrer Stellung in der Lautfolge und der Betonung des Wortes anders artikuliert (z.B. das „r" in Regen, Gert oder Gertrud); unbetonte Endungen werden verschliffen gesprochen (z.B. in „sagen" das „e"). Hinzu kommt eine Fülle von Rechtschreibregeln. Der Regelbereich der deutschen Sprache hat zwar seinen Ausgangspunkt in der korrekten Wahrnehmung der lautlichen Gestalt eines Wortes, erschöpft sich aber keineswegs darin. Es werden besondere Reflektionen gefordert. Beispielsweise darf das Dehnungs-h nur vor l, m, n oder r geschrieben werden.
|